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Das Vorster Martinsspiel

Unsere heutigen Grundschulkinder - erst recht die Schüler- innen und Schüler der weiterführenden Schulen - kennen ihr Heimatdorf immer weniger. Man erlebt, dass sie von Attraktionen Mallorcas mehr wissen als von Sehens- würdigkeiten in Vorst. Ja, die gibt es!
Immer mehr verlieren die Kinder auch die Beziehung zum Dorfleben. Schützenfest ist für sie der Kirmesplatz mit Raupe und Kettenkarussell. Wenn sie Glück haben, erleben sie den hl. Nikolaus in der Schule oder (immer seltener) zu Hause. St. Martin ist für viele nur noch Gripschen. Halloween mit seinen Hexen, Geistern und Gruselfiguren dringt immer mehr vor.
Umso erfreulicher und wichtiger ist, dass in Vorst immer noch ein eigener Martinszug stattfindet - vor allem aber, dass die Zusammenkunft auf dem Schulhof nach dem Zug sich mit dem Martinsspiel, das Ulrike Horster und Norbert Moormann in szenische Worte gesetzt haben, zu einem Moment der Besinnung entwickelt hat. Es beröhrt schon, wenn man sieht, dass viele Kinder und Erwachsene aufmerksam zuhören und beim letztmaligen Erklingen des Martinsliedes und beim "Großer Gott" laut mitsingen oder auch nur still werden.

Ablauf
Nach dem Fackelzug reitet der St. Martin auf den Schulhof.
Wenn alle Kinder und Eltern um das Feuer versammelt sind, wird durch ein Mitglied des Vorstandes des Martinsvereins über das Mikrofon kurz der Ablauf des Martinsspiels erklärt.
Die Kapellen spielen die erste Strophe des Liedes "Sankt Martin kam aus Ungalant" und alle Kinder und Erwachsenen singen mit.


Liedtext:

Sankt Martin kam aus Ungarland
sein Kaiser hat ihn fortgesandt
nach Frankreich hin als Offizier
auf seinem Pferd ritt er.
Heiliger Martin hör uns zu,
lass uns werden so wie du.
Laß uns immer groß und klein
Gut zu allen Menschen sein.
 

 Das Spiel beginnt:
 
Mathias: "Guten Abend! Mein Name ist Mathias. Ich wurde ein guter Freund von Martin, als er zu uns in die Armee gekommen ist. Das ist jetzt schon sehr, sehr lange her. Wir waren gerade 15 Jahre alt, als wir zur Armee mussten und Martin kam damals als junger Soldat zu uns, um gemeinsam mit uns in der kaiserlichen Leibgarde zu dienen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Martin sich zu unserer Soldatenzeit drei Jahre auf seine Taufe vorbereitete.
Als wir einmal am Feuer zusammen saßen erzählte mir Martin eines Abends, dass sich ein Name Martin von dem Namen des Kriegsgottes Mars ableite. Er sagte, man könne ihn auch als "zum Kriegsgott Mars gehörend" verstehen. Martin fand diese Verbindung zu kriegerischem Denken glaube ich nicht sehr schön, weil er viel lieber Kranken, Notleidenden oder Armen half. Er hatte für diese Menschen immer etwas von seinem geringen Sold übrig. Wir alle mochten Martin sehr gern, er war gegenüber jedem immer sehr hilfsbereit und bescheiden. Trotzdem war er uns auch als Soldat ein Vorbild und wurde bald Offizier.
Als wir 18 Jahre alt waren, wurden Martin und ich Gardeoffizier im heutigen Frankreich. Wir verbrachten auch hier durch unseren gemeinsamen Armeedienst viel Zeit miteinander.

Eines Abends mitten im Winter, der so hart war das viele Menschen wegen der strengen Kälte starben, begegneten wir am Stadttor der Stadt Amiens, die im heutigen Frankreich liegt, einem armen, unbekleideten Mann. Wir beobachteten, wie viele Menschen an dem armen Mann vorbei gingen, ohne ihm zu helfen. Was Martin an diesem Abend tat, wird mir und vielen anderen Menschen ein ewiges Beispiel für Nächstenliebe bleiben. Wir werden seine Tat nie vergessen. Martin trug an diesem Abend selbst nicht mehr als sein Schwert und seinen Mantel. Und doch tat er etwas wunderbares. Doch seht und hört selbst:"

 
 Bettler: Ach lieber Herr, erbarmt Euch meiner, ich habe Hunger und friere!

St. Martin: Was macht Ihr hier draußen bei diesem Hundewetter? Geht nach
Hause oder sucht Euch eine Hütte, sonst werdet Ihr noch erfrieren!

Bettler: Ein Zuhause habe ich nicht und niemand will mir eine Herberge
geben – die Menschen denken nur an sich!

St. Martin: Hat denn niemand Mitleid mit Euch?

Bettler: Nein, alle haben mich allein gelassen! Die Menschen gehen achtlos
an mir vorüber, als würden sie mich nicht sehen oder hören. Keiner gibt mir
zu Essen, damit ich meinen Hunger stillen könnte und niemand gibt mir
Kleidung, damit ich mich wärmer anziehen kann. Der Frost tut bitter weh.
Alles was ich besitze, sind diese schmutzigen Lumpen, die ich am Leibe trage.

St. Martin: Armer Mann, Ihr tut mir leid, ich sehe, dass Ihr hungert und
friert. Hier, nehmt die Hälfte meines Mantels. Das Tuch soll Euch vor dem
scharfen Wind schützen und wärmen, damit Ihr in dieser Nacht nicht friert!

Bettler: Ihr seid ein guter Mann, habt tausend Dank für Eure Bereitschaft,
Euren Mantel mit mir zu teilen. Mögen doch mehr Menschen so freundlich und
großherzig sein wie Ihr. Lebt wohl!

St. Martin: Lebt wohl!

St. Martin reitet ab zum Schulhofeingang Kirche, der Bettler verbleibt
am Martinsfeuer.

Mathias: Einige der umstehenden Menschen lachten über Martin, da der
zerrissene Mantel komisch aussah. Außerdem bekam er sehr zu unserem
Entsetzen auch noch eine dreitägige Gefängnisstrafe, da unsere
Vorgesetzten der Meinung waren, er hätte mit der Mantelteilung mutwillig
Militäreigentum beschädigt.

In der Nacht darauf jedoch erschien Jesus Christus Martin im Traum,
bekleidet mit seinem halben Mantelteil. Christus sprach zu den Engeln:
"Martinus, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet!"
Martin erzählte mir später, dass sei für ihn das Zeichen Gottes gewesen,
den Militärdienst zu beenden und Gottes Ruf zu folgen.

Martin ließ sich dann sehr bald taufen. Als Martin 55 Jahre alt war,
feierte er mit uns seine Weihe zum Bischof. Am Abend seiner Bischofsweihe
erzählte mir Martin, dass er nie Bischof werden wollte und versucht hatte
sich zu verstecken. Er hatte gedacht, in einem Gänsestall einen geeigneten
Zufluchtsort gefunden zu haben, an dem man ihn nicht finden würde. Die
Gänse jedoch, aufgeschreckt durch die ihn suchenden Menschen, verrieten
ihn durch ihr Geschnatter. Und so kam es, dass er doch Bischof wurde.

Durch seinen neuen Namen, Martin von Tours, hatte sein kriegerischer Name
Martinus einen neuen Sinn erhalten und wurde von den Christen übernommen.
Martin war nicht mehr länger ein Kämpfer unter dem römischen Kriegsgott,
sondern ein Soldat Gottes, einer, der sich mit Eifer, wie schon früher,
in die Pflicht der Nächstenliebe nehmen ließ.

Als ich Martin auf einer Bischofsreise begleitete, verlor ich meinen besten
Freund. Er starb im Alter von 81 Jahren und wurde am 11. November beerdigt.
Noch heute feiern viele Menschen diesen Tag zu Ehren von Martin und deshalb
seid ja auch ihr heute hier.

Knappe 100 Jahre später wurde mein Freund Martin heilig gesprochen und
seitdem verehren ihn die Menschen als St. Martin.

 
 Die Kapelle spielt die Strophen 1-4 des Martinsliedes "St. Martin", und alle Kinder und Erwachsenen singen mit. Danach singen alle gemeinsam mit Musikbegleitung die 1. Strophe des Liedes "Großer Gott wir loben dich".

© Norbert Moormann/Ulrike Horster</div>