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 Wie viel Halloween braucht der Niederrhein?
 (Norbert Moormann)

Brauchen wir Halloween? Diese Frage mag provokant angesichts der Tatsache klingen, dass Industrie und Handel sich über eine steigende Nachfrage nach Halloween-Artikeln jeglicher Art freuen, gleichgültig ob kitschig, gespensterhaft, gruselig oder besser: (im wahrsten Sinne des Wortes) grauen-haft anzuschauen. Der volkskundlich interessierte oder mit dem örtlichen Brauchtum verwachsene Niederrheiner schaut schon etwas verwundert, da er miterlebt, wie ein irischer Volksbrauch via USA mit Hilfe der Medien in Deutschland verbreitet wird.

Halloween ist ein importiertes Fest, das mit lokalem Brauchtum nichts zu tun hat. Dies für sich genommen ist noch nicht bemerkenswert: Schon immer gab es Wandel im rheinischen Brauchtum, einzelne Elemente verschwanden, andere wurden hinzugefügt. Manchmal wurden Feste total aufgegeben. Aber: Selten wurde ein Fest völlig neu aufgenommen.

 
 Alle traditionellen Feste, die am Niederrhein gefeiert werden, sind entweder mit dem Jahres- und Lebenslauf verknüpft oder wurzeln im Christentum. Ein vorzügliches Beispiel für den Wandel von Festen im Laufe der Zeit bietet das Weihnachtsfest. Christbaum und Weihnachtsbescherung, ohne die wir uns heute das Weihnachtsfest kaum noch vorstellen können, kannte man um die Wende zum 20. Jahrhundert am Niederrhein genau so wenig wie das Sternsingen der Kinder am 06. Januar. Überlieferte Schilderungen belegen, dass der Weihnachtsbaum erst um 1900 Einzug in den Wohnzimmern am Niederrhein hielt. Der mit Kerzen geschmückte Weihnachtsbaum ist ein relativ junger Brauch, der sich erst im 19. Jahrhundert und zwar in evangelischen Kreisen entwickelte. Bis ca. 1930 war Weihnachten am ganzen Niederrhein ein unbedeutendes Fest, an dem nur Kinder und Gesinde beschert wurden. Vielmehr war von alters her der Nikolaustag von großer Bedeutung. Nach dem 11. November, dem Martinstag, warteten alle Kinder auf das Kommen des Nikolaus, auf "Tosender Kloas". Begleitet wurde er von Hans Muff, der die mitgebrachten Gaben in einem Sack trug. Er war gefürchtet (bekannt ist er in anderen Gegenden auch als Knecht Ruprecht), rasselte mit der Kette oder drohte mit der Rute. In den letzten Jahren verschwand er mehr und mehr aus der Erinnerung der Kinder und Erwachsenen. Dafür erlangt der Weihnachtsmann immer größere Bedeutung.

Ein anderes Beispiel ist das Brauchtum, das mit dem Flachsanbau am Niederrhein verknüpft war. Nach der Flachsernte, bei der die Stengel ausgerauft, zu Bündeln gebunden und aufgesetzt wurden, begann das Riffeln (Reäpe), das Abkämmen der Samenkapseln von den Stengeln. Bei dieser Arbeit, die nicht bezahlt wurde, sondern auf gegenseitiger Hilfe beruhte, kann man fast von einer spielerischen Inszenierung sprechen, denn es wurden die Rollen getauscht: Die Arbeiter wurden zu Herren und die Zuschauer zu Bauern. Kam jemand an der festgestampften Riffelbahn vorbei, so musste er sagen: "Jot heläp üch, ör Heure!" – Gott helfe euch, ihr Herren. Sagte er es nicht, so bekam er einen unsanften Schlag mit einem Bündel Flachs verabreicht. Die Antwort der Arbeitenden war vorgeschrieben und lautete: "Jot dank üch, ör Beehre!" – Gott danke euch, ihr Bauern! War die Arbeit getan, begann das Reäpfest. Wenn das Reäpfest dem Ende zuging wurde einer der jüngeren unerfahrenen Leute beauftragt, bei einem Nachbarn die "Feärchreäp" - ein nicht existentes Werkzeug - zu holen, um angeblich die Raufe zu reinigen. Das ganze war ein Neckscherz und war der gutgläubige Neuling in die Falle gegangen, so goss der Nachbar den Hereingelegten nass, indem er ihn an der Treppe warten ließ, um angeblich den Phantasiegegenstand zu holen; oder aber er schickte ihn mit der Ausrede weiter zu einem Nachbarn, er habe das Werkzeug an diesen verliehen. Dies Spiel ging oft, bis der Neuling in der ganzen Nachbarschaft gewesen war. Ein Mitleidiger bereitete dem Spiel ein drastisches Ende, indem er ihm einen Eimer Wasser über den Kopf goss.

Doch nun zu Halloween. Gibt es irgendwelche sachlichen Hintergründe wie Religion oder bestimmte jahreszeitliche Arbeitsabläufe für das Aushöhlen der Kürbisse, einen Lampion-Umzug und den anschliessenden Bittgang von verkleideten und geschminkten Kindern von Haustür zu Haustür um Süßigkeiten? Wohl kaum, dafür freuen sich aber Industrie und Handel ob der Nachfrage nach Kostümen, Schminke und Süßigkeiten. Dabei können sie sich auch des Kaufdruckes sicher sein, welchen die Kinder auf ihre Eltern ausüben. Die Mischung aus Karneval, Walpurgisnacht und Silvester ist ein Partygag, der mit rheinischem Brauchtum absolut nichts zu tun hat.

 
 


Und deshalb muss Skepsis gegenüber Halloween erlaubt sein, zumal ein Lichtergang durch die Straßen, verbunden auch mit dem anschließenden Gripschen an den Haustüren, allerdings ohne Verkleidung, schon längst gepflegt wird. In wohl allen niederrheinischen Orten ziehen traditionell Kinder und Erwachsene am Abend des 11. November – dem Patronatstag des Heiligen Martin - mit Laternen durch die Straßen. Schön, wenn es Kindern und Eltern Spaß macht, zu Ehren des Soldaten und späteren Bischofs am rheinischen Brauchtum teilzunehmen.

Bis spät ins 19. Jahrhundert nutzte man für den Laternenumzug auf dem Lande Kürbisse und Runkelrüben. Dazu wurde ein Deckel abgeschnitten, die Frucht ausgehöhlt, ein Gesicht in die Außenhaut geritzt, eine Kerze eingesetzt, mit dem Deckel wieder geschlossen und auf einen Stock gesteckt. Von der Stadt ausgehend wurden diese selbstgebastelten Lichthalter von an einen Stock gehängten Laternen aus Papier abgelöst.

Die Kinder ziehen mit diesen im Kindergarten oder in der Schule selbstgebastelten - vielleicht auch gekauften - Laternen mit ihren Eltern von der örtlichen Kirche durch die abendlichen Straßen des Ortes bis zur Kirche zurück, singen Lieder (die bekanntesten sind gewiss: "St. Martin, St. Martin, St. Martin ritt durch Schnee und Wind" und "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne ...") und ehren damit sowohl den Heiligen Martin als auch den Gedanken des Teilens mit anderen. Nach symbolischer Mantelteilung zwischen St. Martin und Bettler und einigen Liedern am Martinsfeuer, erhalten die Kinder "ihre Tüte" mit Weckmann (selbstverständlich mit Tonpfeife), Obst und Süßigkeiten.

Über der Arbeit der Martinsvereine oder -komitees könnte als Leitwort: "DURCH TEILEN ZUSAMMENWACHSEN" stehen. Sie wollen das Fest des Heiligen Martins als ein Fest feiern und begehen, das Menschen jeglichen Glaubens - gleichgültig ob Christen, Angehörige anderer Weltregionen oder Konfessionslose - zusammenführt im Geiste echter Brüderlichkeit und Mitmenschlichkeit.




 
 
 Vergleicht man die Anlässe Halloween und St. Martin, dann fällt eigentlich die Entscheidung zwischen beiden nicht schwer. Wir müssen keine keltischen Gespenster (Halloween ist dort das Fest des Fürsten des Totenreiches) am Niederrhein vertreiben. Viel besser wäre es, Kinder zu bestärken, sich einen wachen Blick für das Teilen mit Bedürftigen zu bewahren. Dafür ist das Fest des Heiligen Martin ganz sicher der geeignetere Brauch.

 
 


Wem dies zu stark vom christlichen Glauben aus argumentiert ist, dem sei folgendes gesagt: Muss dieses Fest der leuchtenden Kinderaugen und der schönen Kindheitserinnerungen bei Erwachsenen wirklich durch Götzenkult um Fratze - Verzeihung - Maske und Kürbis ersetzt werden? Ich bleibe dabei: Die wohlig-angenehme, ja auch romantische, Stimmung bei jedem Einzelnen der dabei ist, egal ob Kind oder Erwachsener, die spannende Neugier auf den Gottesmann hoch zu Ross und den gespannt-milden Freudenglanz in den Kinderaugen gibt es nur am Ehrentag des Heiligen Martin. Welch ein Unterschied zu Monsterfeten und Gruselpartys! Welch ein stimmungsmäßiger Unterschied auch zwischen einem Martinszug in historischen, engen gemütlichen Altstadtgassen niederrheinischer Kleinstädte und den Halloween-Partys irgendwo draußen im Gewerbegebiet vor den Toren der Stadt in einer kalten Leichtbauhalle oder einer schummrigen Disco. Welch ein Unterschied nicht zuletzt zwischen den aus Kinder- und Erwachsenenkehlen vielstimmig mit spürbarer Freude am eigenen Gesang in den Strassen unseres Ortes erschallenden – ja tatsächlich live gesungenen – alten oder auch neueren Martinsliedern und dem synthetischen Tecno-Gewumme aus bis zum äußersten Rand i(h)rrer Volumen aufgedrehten Lautsprecher-Boxen auf den Halloween-Partys. Während das Fest des Heiligen Martin ein Fest für die ganze Familie ist weil die Eltern an der Freude der Kinder teilhaben trägt Halloween dazu bei, die Familie weiter in ihre Einzelbestandteile zu zerlegen. Während die Jugend feiert können die Eltern mit dem Fest überwiegend nichts anfangen.

St. Martin ist – davon bin ich fest überzeugt – das schönste Kinderfest im Jahreslauf. Wirklich nur für Kinder?

Wir laden deshalb alle, wirklich alle, ja auch Jugendliche und Erwachsene, ein, sich von der Atmosphäre des Martinsfestes einfangen zu lassen. Trauen Sie sich: Kommen Sie, seien Sie mit dabei und teilen Sie mit den Kindern die Freude an diesem Tag. Jeder, wirklich jeder, ist herzlich willkommen. St. Martin ist auch ein Kinderfest – aber nicht nur. Der geteilte Mantel – er weist jedem, unabhängig vom Alter, die Richtung.